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| © Philipp Dimitri/Westend61 |
Kleine Preise wurden hoffähig
In gewisser Weise öffnete er damit die Büchse der Pandora. Microstock professionalisierte sich. Arcurs erntete große Bewunderung und viele professionelle Fotografen träumten auch davon, ein kleiner Yuri zu werden. Sie ließen sich auf seine Argumentation ein. Die Crowd würde etablierte Strukturen zerbrechen, sei demokratisch, es wäre optimal viele Bilder zu kleinen Preisen zu verkaufen usw. usw.. Er hat sicher psychologische Barrieren durchbrochen. Kleine Preise wurden unter Profis hoffähig, sie fingen an Microstock zu beliefern und brachten eine Qualität, die für Kunden interessant wurde. Aber um seinen Bewunderern und Nachahmern immer einen Schritt voraus zu sein, musste er sich aufblähen. Mehr produzieren, schneller sein, besser sein. Mittlerweile hat er nach eigenen Angaben ein Team mit ca. 100 Leuten. Das verursacht natürlich hohe Kosten, die wieder eingespielt werden müssen.
Der Umsatz pro Bild sinkt
Anscheinend funktioniert das nicht mehr so ohne weiteres. Vor so ziemlich genau einem Jahr hat er seine eigene Website gelauncht, peopleimages.com. Hat ein halbes Jahr keine Microstockagenturen mehr beliefert in der Hoffnung, es mit der eigenen Plattform selbst zu schaffen. Aber mit 70.000 Bildern und seien sie noch so gut, ist es eben nicht möglich, als Agentur auf dem Markt zu bestehen. Damit kann man die Kosten von 100 Leuten einfach nicht decken. Nachdem das offensichtlich auch für ihn galt, belieferte er seine Agenturen wieder, musste aber schmerzhaft erkennen, dass niemand sehnsüchtig auf ihn wartete und seine Bilder nach vorne rankte, nur weil er Yuri Arcurs hieß. Mittlerweile haben seine Lehrlinge aufgeholt, es gibt genügend Ersatz. Yuri Arcurs leidet wie alle anderen Fotografen an dem Überangebot an Bildern. Der Umsatz pro Bild sinkt bei allen Marktteilnehmern, auch bei ihm.
Ich bleibe bei meiner These, dass den Microstockfotografen genau das gleiche Schicksal widerfahren wird wie vielen Macrostockfotografen. Wenn das Angebot höher ist als die Nachfrage sinkt nun einmal der Preis. Bei einem Angebot von 20 Millionen Bildern, das auch noch stetig wächst, ist das zwangsläufig der Fall. Die Microstockagenturen konnten diesen Preisverfall nur durch ständige Preiserhöhungen abfangen. Weniger Verkäufe pro Fotograf wurden durch höhere Preise pro Verkauf neutralisiert. Es scheint aber so zu sein, dass bei den Preiserhöhungen das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Die preissensiblen Kunden wandern von den immer teurer werdenden Microstockagenturen zu den Abomodellen oder superbilligen Agenturen wie depositphotos ab. Der Erfolg von Shutterstock belegt das. Logischerweise sinken dadurch die Einnahmen der Fotografen, weil sie die Bilder dort günstiger verkaufen als anderswo.
Der Irrsinn auf dem Markt
depositphotos ist übrigens so ein Beispiel für den gewissen Irrsinn auf dem Markt. Fotografen verkaufen dort die gleichen Bilder zu einem Bruchteil der Preise wie bei anderen Microstockgenturen. Ich habe einige Artikel von Webdesignern gelesen, die diese Agentur empfehlen, weil sie dort das gleiche Material viel billiger bekommen als anderswo und ich werde nie verstehen, warum sich Fotografen darauf einlassen. Das ist und bleibt unvernünftig, aber anscheinend greifen viele in einem schlechter werdenden Markt nach dem letzten Strohhalm, anders ist das nicht zu erklären. Überall dabei sein und alles mitnehmen anstatt einmal ein bisschen Vernunft walten zu lassen. Diese Nervosität kann man in den verschiedenen Foren richtig herauslesen. Wer hat welche Erfahrungen da und dort? Ja, ich habe da eine paar gute Erfahrungen und schon schmeißen alle ihre Bilder in der Hoffnung auf gute Umsätze dort drauf, um bald festzustellen, dass es schnell wieder schlechter wird, weil immer mehr Bilder um die gleichen Kunden konkurrieren. Oder es wird dort besser und dafür woanders schlechter, weil die eine Agentur der anderen Kunden wegnimmt. Märkte haben bei stabiler Nachfrage eben ihre Grenzen. Und irgendwann einmal hat dann niemand mehr gute Erfahrungen, weil die große Crowd mit ihrem Herdenverhalten gemeinsam den Markt zerstört. Immer mehr Bilder werden zu immer kleineren Preisen verkauft. Nur leben kann dann keiner mehr davon, weil man irgendwann nicht mehr so viel produzieren kann, um ständig sinkende RPIs zu kompensieren.
Arcurs zieht die Konsequenzen
Damit macht Yuri Arcurs nun Schluss. Deshalb hat er einen Exklusivvertrag mit Getty Images geschlossen, er sagt Good Bye zu der Idee, seine Bilder allen und jedem zu verschiedenen Preismodellen anzubieten. Nach eigener Aussage sind insbesondere Aboseiten nicht mehr geeignet, seine hohen Produktionskosten zu erwirtschaften. Ob es Sinn macht, sich in die Abhängigkeit einer Agentur zu begeben, sei hier einmal dahingestellt. Er hat sicher einen guten Vertrag ausgehandelt. Aber er signalisiert folgendes: Bilder kann und muss man auch teuer verkaufen, wenn sie teuer hergestellt werden. Seine Bilder sind keine Ramschware, die zu Niedrigstpreisen erworben werden können. Hat er die Büchse der Pandora ein zweites Mal geöffnet und bringt wieder Hoffnung in die Bildagenturwelt? Ich weiß es nicht, aber er wird sicherlich einige zum Umdenken und Nachdenken bewegen. Macht es Sinn, seine Bilder da superbillig und dort teuer zu verkaufen? Sind hohe Preise bei hohen Produktionskosten nicht gerechtfertigt? Muss man den Kunden gute Qualität zum Billigsttarif verkaufen?
Muss man eben nicht, wenn Bilder hochwertig sind. Es wird Zeit, das den Kunden wieder zu signalisieren. Gute Bilder haben ihren Preis. Und für dieses Signal bin ich Yuri Arcurs heute einmal dankbar.
Gerald Staufer









