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| @ Sabine Pallaske privat |
In dem Interview geht es um Strategien für Fotografen und Bildproduzenten im Bildermarkt, Zukunftsaussichten, Macrostock und Microstock.
Liebe Sabine, das Bildagenturgeschäft ist in den letzten Jahren härter geworden. Der Preisdruck ist wegen Microstock sehr hoch und es gibt eine Bilderflut. Wie geht ihr von F1online damit um?
Auf die Bilderflut antworten wir mit Selektion und Priorisierung von Bildern sowie mit Dienstleistung rund ums Bild. Zudem versuchen wir, die Bildsprache von Microstock zu vermeiden. Dazu gehören unter anderem Freisteller, simple Symbolik oder fehlende Räumlichkeit wie bei Arcurs. So bieten wir am Ende Fotografie an, die mehr ist als das Ergebnis guter Kamerasoftware.
Weiterhin ist unsere Honorargestaltung transparent, der Kunde hat Planungssicherheit. Wir führen also den Kunden durch die Bilderflut, sei es mit Auswahlen gemäss Briefing und „Styleguide“, sei es mit Recherche nach bestimmten Themen. Das sind „Abkürzungen“, die die Kreativen bzw Artbuyer und Redakteure entlasten.
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| Me too! © Limelight Studio/Westend61 |
Kunden kaufen dann „teure“ Bilder, wenn sie Wert auf gute und sichere Bilder legen. Gute Produktionen sehen bezüglich der Bildsprache, der technischen Qualität, der Models und der Atmosphäre anders aus als das zwanzigste Me-Too des meistverkauften Microstockbildes.
Kunden bezahlen auch das Drumherum, sei es Rechercheunterstützung, Datenqualität, Rechtssicherheit, Beratung, Schnelligkeit, Abstimmung auf den Workflow usw weil hier das Mehr vorher im Nachhinein preiswerter ist als der Ärger hinterher.
Spürt ihr jetzt oft den Druck von den Kunden? So nach dem Motto, ich kann ja auch billige Bilder in Microstock holen, wenn ihr nicht rabattiert.
Natürlich. Allerdings verweisen wir Kunden, die in Microstockpreisen denken, auch auf diese Plattformen. Kampfrabatte geben wir nicht, es muss schon gute Gründe haben. Zum Beispiel die Bestellung riesiger Mengen, der Kunde ist ein besonders guter Kunde oder es handelt sich um eine NGO wie etwa Amnesty International.
Bräuchten wir nicht ein komplett neues RM-Modell, das einfacher als das jetzige ist und kleine Firmen und Existenzgründer mit einbezieht. Will heißen, man startet an einem niedrigeren Preispunkt?
Ein interessanter Punkt. Einfacher und besser zu kalkulieren wäre das auf jeden Fall, aber wir sollten nicht an einem niedrigeren Preispunkt starten. Gerade RM bietet bei kleinen Auflagen und Bildgrössen weit niedrigere Einstiegshonorare als das traditionell RF. Wir bieten häufig Honorarpakete an, die dem Kunden Planungssicherheit für seine Projekte geben, die er nach der üblichen Berechnung nicht hätte.
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| Der Kunde ist König ©Leander Baerenz/Westend61 |
Bei Mehrfachnutzungen eines Motives in diversen Medien fassen wir manche Nutzungsarten, die üblicherweise getrennt aufgeführt sind, als einen Posten zusammen oder wir einigen uns auf eine feste Auflagenzahl für einen Zeitraum xy, so dass Laufzeitverlängerungszuschläge nicht jedesmal anfallen. Wie die Pakete aussehen, hängt auch vom Workflow des Kunden ab – da sind wir recht flexibel.
Ihr verkauft einen Teil der Weblizenzen ab 10 Euro. Wir machen da bisher nicht mit. Bringt das was oder verliert man nicht Geld, indem man euren Businesskunden die Lizenz im Grunde fast schenkt?
Unsere Weblizenzen für 10 Euro gilt für Bilder mit maximal 170 Pixel längere Kante. Für Bilder mit 500 Pixel längerer Kante kostet die Lizenz 49 Euro. Wir haben uns da den RF-Lizenzen angenähert, allerdings sind die RM-Lizenzen zeitlich begrenzt.
Es gibt auch einen Grund für die Minilizenzen. Uns ist es lieber, die Kunden für diese Verwendung, die in der Hauptsache Webdesigner und Privatpersonen sind, lizenzieren die Bilder statt die Thumbnails zu klauen. Druckbar sind diese Bilder nicht.
Ist das also ein zusätzlicher Umsatz, auf den man nicht verzichten sollte?
Es ist ein zusätzlicher Umsatz. Ob man auf den verzichten kann oder sollte, muss der jeweilige Bildanbieter selbst entscheiden. Was auch eine wichtige Nebenwirkung ist: dieser Nutzergruppe, wird bewusst, dass die Bilder nicht umsonst sind, angesichts der gerade aktuellen Copyrightdiskussion der Netzgemeinde ein nicht zu vernachlässigender Aspekt.
Was würdest Du einem Fotografen raten, der weiter mit Macrostockfotografie gute Umsätze machen will?
Bilder zu machen, die über das hinausgehen, was die Kameraautomatik kann. Trends aufnehmen, aber nicht kopieren, die Finger von „ Me-Toos“ lassen.
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| © Achim Sass/Westend61 |
Ja zu beidem. Ein Problem ist auch, dass Produktionen auseinandergerissen und teilweise Bilder aus ein und der selben Produktion sowohl in Macrostock wie auch in Microstock angeboten werden. Dem Kunden ist nicht klar, warum es für nahezu identische Bilder eine solche Honorardifferenz gibt. Hier verstehe ich die Honorarpolitik vieler Produzenten und Fotografen nicht.
Das gilt glücklicherweise nicht für Euch.
Bekommt ihr insgesamt mehr oder weniger neue Bilder über eure Partner rein als noch vor zwei Jahren?
Weniger gute neue Bilder, wenngleich die absolute Summe recht konstant bleibt.
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| Geschlossene Gesellschaft? @ Westend61 |
Microstockblogs sind in erster Linie Blogs von Fotografen, die sowohl als Produzenten als auch als Konsumenten agieren. Die traditionellen Agenturen wenden sich bisher nicht an Privatpersonen, die halte ich auch langfristig nicht für unseren Kundenkreis. Wir haben aber ganz sicher versäumt, Blogs als Marketinginstrument auch im B-to-B-Bereich als Werbeinstrument einzusetzen.
Wir sollten Fotografen wie Kunden unsere Stärken aufzeigen und ein Forum schaffen, um sich über Verbände und Organisationen hinaus auszutauschen. Von daher halte ich den Macrostockblog für eine gute Sache.
Dazu noch eine Frage. Ich stelle immer wieder fest, dass viele jüngere Fotografen unser Geschäftsmodell gar nicht kennen und sogar der Meinung sind, unsere Preise wären exorbitant hoch. Sie würden sich gar nicht trauen, ein Bild teuer anzubieten. Ist es da nicht Zeit für eine Aufklärungskampagne?
Stockfotografie wurde lange Zeit nur als Zweitverwertung wahrgenommen und spielt als Geschäftsmodell an Hochschulen oder in der handwerklichen Ausbildung keine Rolle. Wir versuchen unter anderem in Kooperation mit der Hochschule Darmstadt und mit Katapult° hier Öffentlichkeit zu schaffen. Zu kurz kommt in der Ausbildung meiner Meinung nach auch, fotografische Arbeit kalkulieren zu können. Das „Preisdumping“ durch Nachwuchsfotografen kommt teilweise auch daher, dass diese nie gelernt haben, ihre Produktionen wirtschaftlich zu kalkulieren.
Hier könnte der Blog auch Anregungen bieten. Zum Beispiel Musterkalkulationen, Auftragsmuster usw. beschreiben.
Wie siehst Du den Markt in fünf Jahren? Haben wir dann 100 Millionen Bilder auf dem Markt und kein Fotograf kann ernsthaft davon leben?
Die Bilderflut wird nicht abebben. Je besser die Kameras werden, desto mehr Menschen werden sich berufen fühlen, ihre Bilder anzubieten. Die pure Menge wird aber auch mit sich bringen, dass Dienstleitungen rund ums Bild wie Vorauswahl, Eingrenzung nach Qualität, Themen und Nutzbarkeit wieder mehr gefragt werden.
Bilder, die aus der Masse hervorstechen, werden auch weiterhin Erlöse bringen. Hier liegt es auch an den Fotografen und den produzierenden Agenturen, Qualität zu liefern, die sich vom Einheitsbrei abhebt.
Die letzte Frage wie immer zu Westend61. Was schätzt ihr an uns als Partner?
Solide produzierte Strecken und eine gute Auswahl, eure Zuverlässigkeit und das unkomplizierte Arbeiten mit Euch.
Liebe Sabine, vielen Dank für das Gespräch.





Ein sehr gelungenes Interview!!
AntwortenLöschenIch hoffe auch, dass durch das eigene Profil des Macrobereichs (über Bildsprache, Inhalte und Umgebung) die Differenzierung der Märkte in Micro- und Macrostock dauerhaft gerechtfertigt sein wird (mit thematischen Ausnahmen und Überschneidungen natürlich).
Ich bin zwar ausgebildeter Betriebswirtschaftler, finde aber dennoch den Punkt Kalkulation (zu dem ja auch zwangsläufig eine gewisse Abschätzung der Absatzwahrscheinlichkeit gehören muss) als Macro-Neuling für den Euren Blog interessant.
Bislang konnte ich durch private Kontakte interessante Locations und Modelle zu einen sehr "übersichtlichen Kurs" organisieren. Dies wird irgendwann erschöpft sein und somit die Zusammenarbeit mit Model- oder Produktionsagenturen (bzgl. der Locations) wahrscheinlich nötig werden.
D.h. mangels langfristiger Absatzerfahrung steigt das Investitionsrisiko erheblich.
Zum Investitionsrisiko. Wer sichere Themen produziert, hat natürlich weniger Risiko. Da Sie anonym gepostet haben, weiß ich nicht, ob Sie bei uns unter Vertrag sind. Wir bieten Fotografen an, die Kosten bei Produktionen zu teilen. Natürlich nur, wenn das Thema gut ist und wir von der Bildsprache des Fotografen überzeugt sind. Das mindert das Investitionsrisiko des Fotografen erheblich.
AntwortenLöschenIch denke, die Frage geht über die Stockproduktion hinaus und betrifft auch Auftragsproduktionen für Kunden. Ich habe selbst langjährige Profis erlebt, die die Honorare für Jobs eher Daumen mal Pi geschätzt als errechnet haben.
AntwortenLöschenHäufigster Fehler: nur die Stunden on Location oder im Studio zu berechnen, aber versteckte Kosten wie Abschreibung für Equipment, Sozialversicherungsaufwendungen, Mieten usw nicht zu berücksichtigen
Hi,
AntwortenLöschenin der Tat wieder ein sehr gutes Interview, welches ein wenig hinter die Kulissen einer Agentur blicken lässt.
Es macht neugierig und ich klinke mich zum Thema "Wünsch Dir was" mal mit ein ... ich hoffe das ist nicht unhöflich!?
Zum Beispiel:
- wie sieht so ein typischer Prozess in einer Agentur aus (Redaktion, Keywording, Weitergabe an andere Agenturen, Research, ...)
- wo gibt es Unterschiede zwischen den Macroagenturen (zum Beispiel Westend zu F1online) und wie sieht der Markt in D. überhaupt aus?
- vielleicht könntet Ihr ja ab und zu mit einem Fotografen eine Produktion näher vorstellen (neben den SEHR GUT GEMACHTEN! Video-Making-Ofs ... eher in Richtung Planung, Recherche, Locationsuche, verwendetes Equipment, ... und natürlich: wie gut hat die sich verkauft)?
- rechtliche Fragestellungen (zum Beispiel Branding ... wie sehr muss ich ein iPad unkenntlich machen um Abmahnungen zu vermeiden
- die Sicht eines Redakteurs einer Zeitung (gerade das Thema Micro- vs. Macrostock) könnte auch sehr spannend sein
Verdammt -> Fragen, über Fragen ...
viele Grüße
Florian
das ist natürlich nicht unhöflich.
AntwortenLöschenWas die Unterschiede betrifft, ist das ganz einfach. Wir haben uns auf den Vertrieb über Partner spezialisiert, F1 ist Experte für den Direktvertrieb und vertreibt u.a. auch unsere Bilder.
Zu allen anderen Fragen: sehr gute Anregungen. Ich werde versuchen, zu jedem Punkt einmal etwas zu schreiben.
Wie gut hat es sich verkauft geht natürlich nur mit Erlaubnis der Fotografen, mal sehen, ob mich einer darüber schreiben lässt. Auf jeden Fall kann ich eines sagen. Die Bilder von dieser Produktion verkaufen sich wirklich gut:
http://www.youtube.com/watch?v=KPi6asUG7ZM&list=UU7UUFS337APaRA9kO1I_nsQ&index=4&feature=plcp
Ich würde auch zu gerne mal Prod. sehen wollen die Umsatz machen und nicht von ojo sind . Dazu Umsatzzahlen und deren invest.
AntwortenLöschenmich würde übrigens freuen, wenn hier nicht jeder anonym postet...
AntwortenLöschenWas heißt, Produktionen, die nicht von OJO sind? Kenn man Umsatzzahlen von denen?
Eine Frage an Anonym vorweg von mir: Was ist Ihrer Meinung nach ein guter Umsatz?
Danke, wieder ein tolles Video!
AntwortenLöschenHat mir leider gerade den Tag vermasselt, weil ich im August mit 3 angehenden Schauspielern am Potsdamer Platz was ähnliches aufnehmen wollte ;-(
Also nochmal Locationscouting ...
Lass Dir nicht den Tag verderben und mache es dort. Es sind drei Leute, nicht zwei und variiere einfach die Themen.
LöschenWas darf eigentlich noch eine Prod. kosten und wieviel muss sie einbringen ?
AntwortenLöschenWenn wir gemeinsam produzieren, deckeln wir bei 4.000 Euro. Die meisten Fotografen nehmen 2.000 bis 3.000 Euro in die Hand. Und natürlich wollen sie am Ende Gewinn sehen. Klappt normalerweise auch gut. 2.000 bis 5.000 Gewinn sind bei einer guten Produktion nicht das Problem.
AntwortenLöschenWie geht man denn als Bewerber vor, wenn man meint, seine Bilder sind so gut, dass sie eine Vermarktungschance haben?
AntwortenLöschenEine E-Mail an service schreiben mit einer Webadresse oder einer pdf im Anhang. Wir wollen einfach Bilder sehen und entscheiden dann...
AntwortenLöschenEin sehr schönes Interview mit interessanten Gesichtspunkten. Hat sehr viel Spass gemacht zu lesen!
AntwortenLöschenZitat:
AntwortenLöschen>> Sabine Pallaske ist Geschäftsführerin und Inhaberin von F1online, ... Über den Agenturnamen ist oft spekuliert worden. Dabei ist des Rätsels Lösung ganz einfach. Er meint nicht die Liebe zu Autorennen, sondern beschreibt die größtmögliche Blendenöffnung eines Objektivs.<<
Da die Blendezahl das Verhältnis von Brennweite zu Eintrittspupille (vereinfacht: der innere Objetkivdurchmesser) ist, können Blendenzahlen durchaus unter 1 liegen.
Bsp.: Haben wir ein Objektiv mit 50mm Brennweite und einer Objektivöffnung von 50 mm, so haben wir eine Blendenzahl von 50mm/50mm = f/1.
Haben wir eine Objektivöffnung von 60mm bei gleicher Brennweite, so haben wir eine Blendenzahl < 1, nämlich 50mm/60mm = f/0,83.
Hier zwei Links zu Objektiven mit Blendenzahlen unter f/1:
http://www.abex.co.uk/sales/optical/fast_lenses/canon_65f075/item.htm
http://homepage2.nifty.com/akiyanroom/redbook-e/repro/tv.html
Gruß
Henry Lester
YES - das weiß jeder mit einer Fotoausbildung - die Namensgebung hinkt halt!
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